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Herz-Topflappen nähen mit Kindern – So eine Näh-AG ist kein Ponyhof!

Stell dir vor, du hast viele Stunden in der Küche gestanden, um ein leckeres Essen für deine Familie zu zaubern. Alle sitzen am Tisch, aus dampfenden Schüsseln wird ausgeteilt. Erste skeptische Blicke. Die Nase wird gerümpft: „Das ess ich nicht! Auf keinen Fall!“ – So ging’s mir vor kurzem in meiner Näh-AG, als ich meinen zwölfjährigen Schülerinnen vorschlug, Herz-Topflappen zu nähen.

Herz-Topflappen nähen mit Kindern

Dieses fröhlich-bunte Exemplar habe ich für meine Küche genäht.

Ungläubige Blicke. Was ist das überhaupt? Was soll das denn sein? Ach so, Topflappen. Aha – „Brauch ich nicht! Die Mama auch nicht. So was ham wir schon.“ Kochen und Backen spielt in der Lebenswelt meiner Schülerinnen keine Rolle, wie’s scheint. Mensch, was hab ich früher mit meiner Oma Plätzchen und Kuchen gebacken. Ich hatte ein eigene kleine Schürze und ein Kinderkochbuch. Was hätte ich mich über solche süßen Topflappen gefreut. Tja, so verschieden sind die Zeiten und die Kinder.

Meinen Mädels konnte ich das Projekt jedenfalls nicht schmackhaft machen. Es ist gnadenlos durchgefallen. Das erlebe ich immer wieder mal, dass ich etwas vorbereite und die Mädels es dann doof finden. Eine meiner Schülerinnen bringt es manchmal besonders krass auf den Punkt: „Ich HASSE das“, sagt sie dann immer ganz scharf. Natürlich gibt’s unter den Kindern auch andere Gemüter, die entspannt und dankbar gerne nähen, was ich vorschlage.

Herz-Topflappen nähen mit Kindern

Aber so schnell gebe ich ja nicht auf. Ich versuche meine Schüler immer davon zu überzeugen, dass das eben doch ein tolles Projekt ist, dass es sich lohnt, sich darauf einzulassen und dass sie eine interessante, neue Technik kennen lernen können. Aber für solche Argumente sind manche Schüler nicht zugänglich. Es zählt nur: Kann ich das gebrauchen oder nicht? Lohnt es sich, Energie zu investieren oder nicht? Der Ansatz ist ja auch eigentlich nicht verkehrt. Was meine Schüler immer gebrauchen können, sind TaTüTas und Handytaschen. Die sind schnell gemacht und lassen sich prima verschenken.

Manchmal kann ich aber doch einen Gewinn verbuchen, wenn ich hartnäckig bleibe und wir gemeinsam einen Weg finden, wie sich das Projekt interpretieren lässt, so dass es doch noch brauchbar wird. Und dann sind sie manchmal gerade auf die Sachen besonders stolz, die sie zuerst gar nicht nähen wollten. Zum Beispiel auf eine Kissenhülle mit Reißverschluss und selbst gezeichneter Einhorn-Applikation.

Grundsätzlich setze ich immer auf Überzeugungskraft. Ich möchte die Kinder begeistern und ihnen dabei helfen, beim Nähen Erfolge zu haben, die ihr Selbstvertrauen stärken. Es ist mir wichtig, dass sie Spaß am Nähen haben, aber sie sollen sich auch anstrengen und bemühen und offen sein für Neues. Eine AG ist kein Freizeitprogramm, sondern Teil des Schulunterrichts und hat auch Lernziele. Manche davon haben gar nichts mit dem Nähen zu tun, sondern betreffen andere Kompetenzen.

Herz-Topflappen nähen mit Kindern

Die Schlaufe kannst du auch nachträglich annähen und mit einem Knopf verzieren (siehe Topflappen-Tutorial).

Natürlich frage ich meine Schüler regelmäßig, was sie gerne nähen möchten, greife ihre Wünsche auf und ermuntere sie, eigene Ideen zu entwickeln. Nicht alles lässt sich mit den Mitteln der Schule umsetzen. Da müssen wir dann manchmal Kompromisse schließen. Auch findet nicht jeder Vorschlag, der von Schülerseite kommt, breite Zustimmung. Die Geschmäcker sind verschieden, gerade wenn der Altersunterschied innerhalb einer AG groß ist. In einer Näh-AG habe ich Schülerinnen der 6., 7. und 8. Klasse, da sind die Unterschiede schon manchmal ganz schön groß. Sehr groß ist auch der Unterschied, was den Mädchen und was dem Jungen gefällt, den ich in meiner Anfängergruppe habe.

Ja, und manchmal werden Wünsche geäußert, an die sich drei Wochen später niemand mehr erinnern kann. Was soll ich sagen, so eine Näh-AG ist kein Ponyhof! Aber ich liebe meine Arbeit in der Schule. Sie bedeutet mir sehr viel, nicht nur, weil ich dort Geld verdiene, sondern weil mir die Schüler wichtig sind. Die allermeisten Nähprojekte, die ich mit in die Schule bringe, werden von den Kindern und Teenies begeistert angenommen. Das mit dem Geldverdienen erwähne ich übrigens nur deshalb, weil ich immer wieder gefragt werde, ob ich das ehrenamtlich mache. Nein! Ich werde vom Förderverein der Schule für meine Arbeit bezahlt.

Ich finde ja nach wie vor, dass die Herz-Topflappen ein wunderbares Projekt sind. Ich finde sie sehr, sehr schön und benutze sie gerne in meiner eigenen Küche. Die Basis dafür ist das Tutorial von Ella (ringelmiez). Ich habe allerdings ein eigenes Herz-Schnittmuster entworfen und ein paar Anpassungen vorgenommen, damit das Projekt kinder- und schultauglich wird.

Jetzt würde mich natürlich interessieren: Hast du auch schon mit Kindern genäht, vielleicht mit deinen eigenen, und ähnliche Erfahrungen gemacht wie ich? Hinterlasse mir gerne einen Kommentar! Ich würde mich über einen Austausch sehr freuen.

Verlinkt bei Handmade on Tuesday und DienstagsDinge

Upcycling | Bunte Untersetzer aus Jeans und Stoffresten

Wir gehören zu den Schleckermäulern, die entgegen allen guten Sitten ihre Suppe gerne mal im Wohnzimmer auf der Couch löffeln. Ja, ich weiß, macht man nicht. 1000 gute Gründe sprechen dagegen. Aber es ist doch so gemütlich, wenn man abends beim Essen noch eine Folge der Lieblingsserie schauen kann! Damit wir uns nicht die Finger verbrennen, benutzen wir gerne Topflappen oder Untersetzer für unsere Schalen. Im Nähen solcher bin ich gerade sehr fit, und deshalb habe ich schnell mal ein paar Untersetzer aus der Upcycling-Restekiste für uns genäht.

Man nehme eine alte Jeanshose, ein abgetragenes Hemd, ein Stück Bodenwischtuch sowie drei gehäufte Esslöffel bunte Stoffreste und nähe alles so zusammen, wie ich es in meinem DIY Tutorial „Topflappen mit Briefecken nähen“ beschreibe. Einziger Unterschied: Wir lassen Schlaufe und Zierknopf weg. Die bunte Einfassung wird in Küchenkreisen übrigens auch „Schrägbandsalat“ genannt. Wobei es nicht ganz stimmt, denn die Stoffe für meinen Einfass-Streifen habe ich nicht im schrägen, sondern im geraden Fadenlauf zugeschnitten. Es handelt sich also korrekt um „Geradbandsalat“.

Meine kunterbunten Untersetzer sind 20 x 20 cm groß. Messer und Gabel habe ich als Vorlage im Internet gefunden, mit Vliesofix aufgebügelt und mit einem Geradstich appliziert. Beim Apfel in der Mitte des Patchwork-Untersetzers denkst du jetzt bestimmt: „Hah, da haben sich wohl die Nähte nicht ganz getroffen, und jetzt will die Katharina die misslungene Stelle unter’s Äpfelchen kehren!“ – Jaaa, genau so ist es! Manchmal kommt man durch Nähpatzer auf richtig gute Ideen. Erst durch den Apfel ist der Untersetzer für mich perfekt geworden.

Eigentlich ist das Patchworkmuster sehr einfach genäht. Es besteht aus 4 Quadraten, die jeweils aus 2 rechtwinkligen Dreiecken zusammengesetzt sind. Die Einfassung besteht hier aus sehr dünner, dunkelblauer Jeans-Meterware. Dicke Jeanshosen sind leider ungeeignet, um daraus Einfass-Streifen zu machen.

So geht’s:

(1)  Schneide aus allen Stoffen ein 12 x 12 cm großes Quadrat und halbiere es diagonal. So entstehen jeweils zwei rechtwinklinge Dreiecke. Eins davon wird für den Untersetzer verwendet, das andere wandert zurück in die Restekiste.

(2)  Mit einer Nahtzugabe von 0,5 cm nähst du zwei Dreiecke rechts auf rechts zusammen und bügelst anschließend die Nahtzugaben auseinander.

(3+4)  Alle Quadrate werden mit dem Rollschneider auf die Größe 10,5 x 10,5 cm zurechtgeschnitten. Dann werden alle vier Quadrate  mit 0,5 cm Nahtzugabe zusammengenäht, und zwar erst die beiden Quadrate, die in einer Reihe liegen, und dann die beiden Reihen. Die Nahtzugaben immer gut auseinanderbügeln! Wenn du ordentlich genäht hast, treffen sich deine Nähte auch in der Mitte und du kannst auf’s Äpfelchen verzichten.

Auch die Einfassung ist kein Hexenwerk. In meinem Tutorial „Topflappen mit Briefecken nähen“ zeige ich dir Schritt für Schritt und anhand vieler anschaulicher Fotos, wie es funktioniert. Du kannst die Anleitung eins zu eins auf dieses Projekt übertragen.

https://www.greenfietsen.de/2015/02/diy-tutorial-topflappen-mit-briefecken/

Verlinkt bei Upcycling-Dienstag, Creadienstag, Scharlys Kopfkino und Stoffreste-Linkparty.