Nähblockade | 15 Tipps, wie du dein Sewjo wiederfindest

Hallo und willkommen zum 2. Teil meiner kleinen Blogserie zum Thema Nähblockade! Erst mal möchte ich mich bedanken für die vielen, vielen positiven Reaktionen auf meinen ersten Blogpost. Ich hatte ja ehrlich gesagt gehofft, dass ich nicht die Einzige bin, die sich ab und an mit einer mentalen Nähblockade herumplagt. Aber dass sich so viele Blogleserinnen und Instagram-Followerinnen in meinen Gedanken wiedererkennen konnten und ihre eigenen Erfahrungen geteilt haben, das hat mich echt gefreut. Vielen Dank für alle Kommentare!

Wenn du interessiert bist, schau zunächst in meinen ersten Blogartikel: Nähblockade | Was uns vom glücklichen Nähen abhält. Darin geht es um Ursachen einer mentalen Nähblockade.

Die Gründe für die Nähblockade haben wir also bereits erforscht, heute soll es um konkrete Wege aus dem Nähtief gehen. Wie können wir unsere kreative Energie neu entfachen? Wie finden wir unser Sewjo wieder? Ich liebe diese witzige Wortkreation, die wahrscheinlich aus Amerika herübergeschwappt ist. Es setzt sich aus den Wörtern „sew“ und „mojo“ zusammen. Wenn man sein Sewjo verloren hat, ist einem sozusagen der Schwung, der Enthusiasmus abhanden gekommen. Der kreative Faden ist gerissen.

Aber die gute Nachricht: Es gibt Methoden, die Blockade zu brechen und sein Sewjo wiederzufinden. Und darum soll es heute in diesem Blogpost gehen: um Tipps & Tricks, damit du wieder richtig Spaß an deinem Hobby hast. Es ist ein Werkzeugkoffer mit 15 Gedanken und Gewohnheiten, die ich hilfreich finde und die ich deshalb gerne mit dir teilen möchte. Wir Menschen sind unterschiedlich gestrickt. Deshalb nimm dir einfach das heraus, was du gut findest, und probiere aus, ob es für dich funktioniert. Lass mich gerne wissen, welche Erfahrung du gemacht hast.

Hier sind meine Tipps:

1  | Lockerlassen

Wer mit dem Nähvirus infiziert ist, wird ihn so schnell nicht wieder los. Das ist sicher. Vermutlich ist es gerade das, was uns so zu schaffen macht. Anstatt einfach eine Pause einzulegen, auf Abstand zu gehen und entspannt zu warten, bis die Nählust zurückkommt, wollen wir es herbeizwingen. Aber Kreativität braucht Raum und Zeit und lässt sich nicht auf Knopfdruck starten. Manchmal bist du aus irgendeinem Grund nicht in der Muße, Stoffe auszusuchen und zu nähen. Das ist okay. Vielleicht solltest du das akzeptieren und etwas anderes machen.

2  |  Mach Pausen von Social Media!

Viele haben mir nach meinem letzten Blogartikel erzählt, dass bei ihnen auch das Zuviel das ganz große Problem ist. Zu viele Nähideen, die im Kopf herumschwirren, zu viele Stoffe und Schnittmuster, die zur Auswahl stehen, zu viele Möglichkeiten! Da fällt es schwer, sich zu entscheiden und anzufangen.

Wo kommt der ganze Input her? – Ich würde sagen, es sind die Sozialen Medien – Instagram, Facebook, Pinterest oder Youtube – denen wir tagtäglich viel Aufmerksamkeit und viel Zeit schenken. Auf der Suche nach Inspiration, Unterhaltung und Austausch überfluten wir unser Hirn mit Bildern und Informationen und erschöpfen uns dabei selbst. Unsere Näh-Wunschliste wächst und wächst, und die Werbung, die uns angezeigt wird, verführt uns zum Kauf von noch mehr Stoffen und noch mehr Schnittmustern.

Abschalten, würde Peter Lustig sagen

Eigentlich wissen wir genau, was uns gelegentlich gut täte: eine Pause von Social Media. Mal nicht gucken, was die anderen so treiben, sondern die Zeit nutzen und selber kreativ werden. Ablenkung vermeiden. Eigene Ideen und Ziele entwickeln und verfolgen. Sich auf sich selbst besinnen und fokussieren. Was hat Peter Lustig am Ende jeder Löwenzahn-Folge gesagt? – „Abschalten!“ Als Kind habe ich das immer ganz brav gemacht. Heute fällt mir das nicht immer so leicht.

3  |  Aufhören, sich mit anderen zu vergleichen

Die destruktive Seite von Social Media ist auch, dass wir uns mit anderen vergleichen und zu sehr davon beeindrucken lassen. Darüber habe ich in meinem ersten Blogpost schon geschrieben. Auch hier konnten sich einige wiedererkennen. Judith @juschu9596 hat es in ihrem Kommentar auf den Punkt gebracht: „Man muss sich immer wieder vor Augen führen, dass Nähen unser Hobby und Ausgleich ist, und nicht etwas, mit dem wir uns mit anderen messen müssen.“ Und Nicki @amliebstenmeer hat geschrieben: „Nähen ist eine Leidenschaft, kein Wettbewerb.“ Genauso sehe ich das auch.

No one sees the world like you do

Ein tolles, inspirierendes Zitat stammt von Angie Wilson {Gnome Angel}. Im Artikel Don’t Let Comparison Kill Your Sewjo schrieb sie: „No one sees the world like you do and no one has the unique combination of gifts that you do. Don’t let your gifts be dampened by how someone else is using theirs. Embrace them and you never know – your creativity might just be the thing that sparks a creative fire in someone else.“

Fang JETZT an – da, wo du stehst, mit den Gaben und Möglichkeiten, die DU besitzt. Vertraue auf deine Ideen und deinen Geschmack! Du brauchst nicht noch mehr Stoffe oder noch mehr Inspiration. Du hast alles, was du brauchst. Du bist bereit, du kannst jetzt loslegen!

4  |  Es muss nicht perfekt werden!

Hab keine Angst, Fehler zu machen! Es ist eine Binsenweisheit. Trotzdem müssen wir Perfektionistinnen es uns immer wieder sagen: Fehler gehören dazu. Schraub deine Ansprüche nicht zu hoch und sei nicht so überkritisch mit dir und deiner Arbeit. Kleine Fehler und Mängel fallen keinem anderen als uns selbst auf.

Mir ist auch wichtig, mein Bestes zu geben, und ich hudele nicht beim Nähen. Wenn aber mal was nicht ganz exakt geworden ist, denke ich an die geniale Problembewältigungsstrategie von Karlsson vom Dach, der in solchen Fällen zu sagen pflegt: „Das stört doch keinen großen Geist!“ – Offenbar habe ich mir das oft genug im Leben gesagt, denn mein Perfektionismus hat schon deutlich nachgelassen.

5  |  Weniger zielorientiert denken

Vielleicht ist der Grund für deine mentale Blockade auch, dass du dich zu sehr auf ein schönes Ergebnis versteifst. Wie wäre es, wenn du versuchst, das Ergebnis nicht so wichtig zu nehmen und dich mehr auf den Entstehungsprozess konzentrierst? Versuch doch mal, weniger ziel- und leistungsorientiert zu denken. Genieße es, mit den schönen Stoffen zu arbeiten. Lass die Farben auf dich wirken. Erfreue dich daran, etwas mit deinen eigenen Händen zu erschaffen. Hab Spaß!

Ich denke, wir sollten den „Erfolg“ eines Nähprojekts nicht nur am Ergebnis und an der Zahl der Likes bei Instagram messen, sondern viel mehr daran, ob wir Spaß dabei hatten und ob wir etwas gelernt und uns weiterentwickelt haben.

Und der Flow kam von ganz allein…

Sabine hat unter meinem ersten Blogartikel einen sehr inspirierenden Kommentar hinterlassen, den ich hier gerne wiedergeben möchte. Sie rät dazu, einfach mal etwas auszuprobieren, ohne eine Bestimmung oder einen Plan zu haben. Ohne groß darüber nachzudenken und ohne überhaupt die Absicht gehabt zu haben, hat Sabine so einen ganzen Quilt aus Stoffresten genäht.

6  |  Gib auf, was dir keinen Spaß macht!

Manchmal quälen wir uns mit ungeliebten Nähprojekten. Sie liegen in der Ecke, weil sie uns keinen Spaß machen oder nicht mehr gefallen. Aber Wegwerfen geht doch auch nicht, schließlich haben wir schon so viel Zeit, Geld und Arbeit investiert. – Doch, das geht! Du darfst Projekte aufgeben, die dir keine Freude bereiten. Du musst nicht alles bis zum bitteren Ende durchziehen. Verschenke die UFOs, zerschneide sie, trenne sie auf, mach was Neues daraus! Hauptsache, du wirst sie los, denn sie blockieren dich und bremsen dich aus.

Wenn du feststellst, dass du das Nähen von Geschenken und Kundenaufträgen ewig vor dir her schiebst, solltest du dich fragen, ob DAS vielleicht dein Motivations- und Kreativitätskiller ist. Vielleicht macht dir Nähen nur Spaß, wenn du es für dich und deine Familie tust und als reines Hobby betreibst. Du wärst nicht die Einzige, der es so geht! Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Nähen von Kundenaufträgen gar nichts für mich ist. Und Geschenke nähe ich nur, wenn ich eine gute Idee und wirklich Lust dazu habe. Ich geb’s zu, ich bin da ganz egoistisch: Privat nähe ich am liebsten für mich selbst. Da fühle ich mich richtig frei und ungezwungen.

7  |  Reduziere deine Entscheidungsmöglichkeiten!

Wenn du dich nur schwer entscheiden kannst, versuche, die Auswahl einzuschränken. Du hast gefühlt 1.000 Schnittmuster auf deiner Festplatte gespeichert und weißt nicht, welches du nähen sollst? Dann suche dir eine bestimmte Designerin aus und beschränke deine Wahl auf ein Schnittmuster von dieser Designerin. Oder schnapp dir ein Näh- oder Patchworkbuch, das du toll findest, und nimm dir vor, etwas daraus zu nähen. Der Punkt ist, dass du nicht 20 verschiedene Bücher wälzt, sondern tatsächlich bei diesem einen Buch bleibst, was die Optionen deutlich reduziert.

Vielleicht sind Precuts, Näh-Kits oder Abo-Boxen was für dich?

Vielleicht tust du dir auch schwer damit, Stoffe auszuwählen. Dann könnten Precuts etwas für dich sein. Das sind fertige Stoffzusammenstellungen, die in verschiedenen Größen angeboten werden. Auf die Art bekommst du eine Kollektion perfekt aufeinander abgestimmter Stoffe. Du hast es dadurch leichter, denn du kannst dich darauf verlassen, dass sich die Designerinnen schon viele Gedanken zur Kombination von Farben und Mustern gemacht haben. Schön sind auch Näh-Kits, die alles enthalten, was du zum Nähen eines bestimmten Projektes brauchst: Nähanleitung, Schnittmuster und Stoff in der richtigen Menge. Da musst du kaum noch Entscheidungen treffen, sondern kannst gleich loslegen.

8  |  Sei vorbereitet, schaff dir ein paar WIPs an!

Hier kommt ein Tipp, der garantiert nicht für jeden was ist. Es kommt darauf an, ob du Probleme mit dem Anfangen oder Beenden hast. Wenn du dazu neigst, dich zu verzetteln, gilt die Devise: Stop starting, start finishing! Hör auf, ständig neue Sachen anzufangen und mach mal lieber etwas fertig! Aber für Kreative, die Probleme mit dem Anfangen haben, kann das ein sehr hilfreicher Tipp sein: Schaff dir ein paar WIPs an! Ein WIP (work in progress) ist ein Projekt in Arbeit.

Wir sind nicht immer jeden Tag gleich entscheidungsfreudig. Besonders, wenn wir müde oder zerstreut sind, fällt es uns schwer, Entscheidungen zu treffen. Wir wollen vielleicht einfach nur an die Nähmaschine gehen und losnähen, um uns zu entspannen, haben aber keine Kraft, vorher Entscheidungen zu treffen. Für den Fall ist es gut, vorbereitet zu sein und 2-3 angefangene Projekte zu haben. Toll ist, wenn deine Projekte in unterschiedlichen Stadien sind. Dann kannst du schauen, worauf du gerade Lust hast.

Entscheidung treffen und Nägel mit Köpfen machen

Bei mir funktioniert diese Strategie sehr gut. Manchmal nehme ich mir sogar Zeit, um nur Entscheidungen zu treffen. Ich kombiniere Stoffe und mache ein Foto von meinen Zusammenstellungen, um irgendwann darauf zurückgreifen zu können. Wenn ich schon ein konkretes Nähprojekt im Kopf habe und ich mir mit der Stoffauswahl sicher bin, mache ich gleich den Zuschnitt. Wenn ich dann beim nächsten Mal an meinen Nähplatz gehe, liegt da ein zugeschnittenes, vorbereitetes Projekt, und ich kann direkt loslegen.

9  |  Im richtigen Moment aufhören

Was zugeschnitten herumliegt, wird bei mir ruckzuck weggenäht. Ich bin eine Fertigmacherin, die immer den Drang hat, angefangene Projekte zu beenden. Das ist aber manchmal gar nicht so von Vorteil. Deshalb arbeite ich daran, etwas nicht fertig zu nähen, sondern kurz vorher aufzuhören. Ich finde das echt schwer, aber es ist tatsächlich ein toller Motivationstrick.

Höre an einem Punkt auf, wo du genau weißt, wie es beim nächsten Mal weitergeht. Das ist eine Sache, die vielleicht nur noch 10 Minuten dauert, eine Kleinigkeit wie „Reißverschlusstasche zusammenzunähen und wenden“. Hebe dir das für deine nächste Näh-Session auf! Nicht nur, dass du dadurch ein angefangenes Projekt hast und gleich loslegen kannst, du kannst es direkt fertig machen. „Wie cool“, denkt unser Gehirn wahrscheinlich total euphorisch, „ich hab in nur 10 Minuten eine Reißverschlusstasche genäht!“ Es ist auf jeden Fall ein supermotivierender Start. Probiere es unbedingt mal aus!

10  |  Magische Mini-Nähprojekte

Toll sind auch Mini-Nähprojekte wie mein Täschchen Kiss – ein praktisches, kleines Schlaufentäschchen. Solche Nähprojekte sind wie kleine Appetithäppchen zum Warmwerden. Sie erleichtern den Anfang, schenken ein schnelles Erfolgserlebnis, kurbeln deine Kreativität an und machen Lust auf mehr. Simple Mini-Projekte können sehr motivierend wirken.

11  |  Miss Undercover – Nähe etwas für dich und zeige es niemandem!

Ich weiß nicht, ob das eine Spezialität von uns Frauen ist, aber ich habe schon den Eindruck, dass wir uns besonders gerne austauschen, gegenseitig zeigen, was wir gewerkelt haben, und die Anerkennung dafür suchen und genießen. Das kann uns aber auch blockieren. Denn manchmal meinen wir, die Erwartungen anderer erfüllen zu müssen.

Deshalb kommt jetzt mein ultimativer, mehrfach getesteter und für gut befundener Tipp, um dein Sewjo wiederzufinden: Nähe etwas nur für dich und zeige es niemandem! – Ja, du hast richtig gelesen. Mach eine Geheimmission daraus und zeige es einfach nicht – weder auf Instagram oder Facebook, noch nicht mal deiner besten Freundin oder deiner besseren Hälfte. Niemandem! Natürlich kannst du dich später trotzdem entscheiden, damit „an die Öffentlichkeit“ zu gehen. Wichtig ist nur, befreit loszunähen, ohne den Druck zu verspüren, dass es irgendjemandem gefallen muss. Nur DIR muss es gefallen. Es ist für dich!

12  |  Kreatives Funkensprühen durch Aufräumen & Neu-Sortieren

Selbst überzeugte Kreativchaotinnen würden mir wohl zustimmen, dass Unordnung belastend sein kann. Wenn auf dem Fußboden kein Fleckchen mehr frei ist, auf das man seinen Fuß setzen kann, wenn überall Stoffe liegen und man ewig suchen muss, bis man seine Lieblingsschere oder einen Markierstift gefunden hat, dann kann sich das auf die Nählaune niederschlagen. Dann ist die Zeit gekommen, mal aufzuräumen.

Auch die Ordentlichen unter uns profitieren davon, ab und zu durch ihren Bestand zu gehen, auszumisten und aufzuräumen. Man sieht, was man alles hat, und kommt dabei auf neue Ideen. Ich war überrascht, als ich vor kurzem meine komplette Stoffsammlung neu sortiert und anders gefaltet habe. Wie inspirierend das war! Es hat mich viel Zeit gekostet, jeden Stoff in die Hand zu nehmen und neu zu falten, aber es hat sich total gelohnt. Ich habe mich intensiv mit meinen Stoffen beschäftigt und kann jetzt so, wie meine Stoffe sortiert sind, viel besser mit ihnen arbeiten. Das war für mich ein richtiger Kreativitätsbooster.

Beschäftige dich mit deinen Stoffen!

Gerade wenn du viele Stoffe besitzt oder deine Stoffe in Kisten oder Schränken „versteckt“ sind, solltest du dir regelmäßig die Zeit nehmen, dich damit zu beschäftigen. Sortiere Stoffe aus, die dir nicht mehr gefallen und werde sie los, denn auch sie können dich blockieren. Alte Stoffschätzchen, an denen du hängst, die du aber im Augenblick nicht benutzen möchtest, könntest du zu Paketen schnüren und bei Seite tun. So habe ich es gemacht. Ich habe sie an den Rand meines Regals gesetzt. Sie sind noch da, ich kann sie sehen, aber sie sind quasi aus der Sammlung genommen und werden von mir im Moment bei der Stoffauswahl nicht mitberücksichtigt.

13  |  Stoffe kommen und gehen! – Verlustangst überwinden

Alle Designer-Stoffe verschwinden irgendwann vom Markt und sind nicht mehr erhältlich. Stoffschätze von Tula Pink oder Heather Ross – Ausverkauft! Stoffserien werden in der Regel nicht nachproduziert, denn das rentiert sich offenbar nicht für die Hersteller. Das setzt uns Stoffliebhaberinnen natürlich unter Druck.

Weil wir viele Stoffe nicht nachkaufen können, haben wir große Hemmungen, sie anzuschneiden und zu verbrauchen. Wir hüten sie wie einen Schatz und streicheln sie lieber, anstatt mit ihnen zu arbeiten. Aber kann das die Lösung sein? Wir wollen doch eigentlich schöne Sachen nähen und kein Museum aufmachen.

Ich denke, wir können darauf vertrauen, dass es auch in Zukunft viele tolle Stoffkollektionen geben wird und sollten ganz beherzt auch unsere schönsten Stoffe vernähen. Erstens macht das einfach mehr Spaß, und zweitens haben wir dann auch einen guten Grund, irgendwann mal wieder neue Stoffe zu kaufen.

Noch ein Tipp: Wenn dir das Anschneiden von Stoffen so schwerfällt, kann es auch an der Menge liegen, die du kaufst. Es kostet z. B. deutlich mehr Überwindung einen Fat Quarter anzuschneiden als einen halben Meter, weil der Fat Quarter einfach schneller verbraucht ist. Deshalb kann es helfen, nicht so viele Stoffe zu kaufen, sondern lieber weniger, dafür aber eine größere Menge von einem einzelnen Stoff.

14  |  Mit Stoffresten und Regalleichen spielen

Micha @wollfuehlend hat es perfekt auf den Punkt gebracht: „Entweder mir ist kein Stoff gut genug oder er ist zu gut.“ Ich glaube, dieses Dilemma kennen viele von uns. Wenn es das ist, was dich ausbremst, könntest du doch deinen Stoffresten mal mehr Aufmerksamkeit schenken. Hol deine Stoffrestekiste hervor und sortiere alle Stoffe nach Farben. Bestimmt fällt dir dazu ein schönes, kleines Nähprojekt ein. Vielleicht eine Reißverschlusstasche oder ein Tischset?

Tula Pink hat in einem ihrer wunderbaren TulaTalk-Videos mal eine interessante Frage gestellt: Bist du ein „Pattern First Quilter“ oder ein „Fabric First Quilter“? Hast du zuerst das Schnittmuster und suchst dann die passenden Stoffe dafür aus? Oder ist der Stoff dein Ausgangspunkt? – Wenn es dir schwerfällt, dich für Stoffe zu entscheiden, versuche doch tatsächlich mal, andersherum vorzugehen: Nimm dir einen Stoff – vielleicht einen älteren, mittelschönen – und mach was daraus! Grabe eine Regalleiche aus und erwecke sie zum Leben! Hier brauchst du keine Angst haben, einen zu wertvollen Stoff zu verschwenden.

15  |  Verbinde dich mit Anderen!

Wie ich schon am Anfang sagte: Wir Menschen sind unterschiedlich gestrickt. Während es für die einen hilfreich sein kann, sich zurückzuziehen und auf sich selbst zu besinnen, fühlen sich andere in ihrem Nähreich allein und isoliert und brauchen den Austausch mit einer Gemeinschaft, um motiviert zu sein.

Vielleicht hast du ja Lust, bei einem Sew-Along oder einer Online-Wichtelaktion mitzumachen? Vielleicht gibt es in deiner Umgebung eine Patchworkgruppe, die sich regelmäßig trifft und der du dich anschließen kannst. Du könntest Nähkurse besuchen oder Ausstellungen. Mittlerweile gibt es auch ganz viele tolle Online-Angebote wie Live-Interviews und Live-Nähen, z. B. von Das Quilt Kollektiv. Hier kannst du dich mit anderen Nähbegeisterten vernetzen und austauschen.

Wie ist deine Meinung dazu?

Ich bin sicher, viele meiner Tipps waren jetzt nicht ganz neu für dich. Aber vielleicht konntest du ja doch die eine oder andere Inspiration mitnehmen. Das würde mich sehr freuen. Falls du ein weiteres nützliches Werkzeug kennst und in meinen Koffer legen möchtest, nur zu! Hinterlasse mir gerne einen Kommentar und erzähle mir, was dir bei einer Nähblockade hilft.

Interessante Links zum Thema:

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11 Kommentare

  1. Barbara Röhrig

    Du sprichst mir aus der Seele☺️
    Ich möchte oft nähen, bin dann aber durch meine Fibromyalgie so fertig, dass ich
    kaum etwas auf die Reihe kriege. Dafür habe ich jetzt auch so kleine Projekte wo
    ich nicht so nachdenken muss. Momentan sind es Mug rugs, kleine Täschchen
    und Frühchenquilts. Ansonsten nehme ich mir bei Nähblockaden auch gerne
    meine Resteboxen vor, das macht einfach nur Spaß und die Blockade löst sich
    wie von selbst.

    • Liebe Barbara,

      ich kann mir gut vorstellen, wie frustrierend das ist, wenn man nähen möchte, aber gesundheitlich nicht in der Lage dazu ist oder nur eingeschränkt. Bestimmt sind kleine, überschaubare Projekte da genau das Richtige.

      Herzliche Grüße
      Katharina

  2. Hallo Katharina,
    vielen Dank für die wertvollen Tips und weiterführenden Links! Der von Suzy Quilts hat mir am besten gefallen, sowas ist ganz nach meinem Geschmack!

    Liebe Grüße von
    Sabine

    • Liebe Sabine,

      hast du gesehen, es gibt insgesamt 4 Sew Mojo Quilts. Ich finde auch, dass das eine tolle Idee ist und auch noch super aussieht. Suzy schreibt ja in ihrem Text, dass solche Kreativitätsübungen an Kunst- und Grafikerschulen total üblich sind. Warum nicht auch als Näherin bzw. Quilterin solche Methoden nutzen? 🙂

      Herzliche Grüße
      Katharina

  3. Liebe Katharina,
    vielen Dank für deinen tollen Beitrag, der so viel Wichtiges und Richtiges enthält! Ichb in zwar nur eine Gelegenheits-Laien-Näherin, deine Tipps und Beobachtungen lassen sich aber auch 1:1 auf mein Hobby (Papierbasteleien) übertragen! Schrankleichen gibt es nicht nur in Stoff, sondern auch in Papier! *lach* Ich habe mir deinen Beitrag jedenfalls abgespeichert und werde immer mal wieder reinschauen, um mich zu „resetten“! 🙂
    Herzliche Grüße vom HirschEngelchen
    Anka

  4. Liebe Katharina, erst heute komme ich über den Link deines aktuellen post zu dieser ausführlichen Sammlung an Tipps. Ehrlich, du hast das so gut recherchiert und zusammengefasst, da kann ich nur staunen wie appetitlich du diese Weisheiten rüberbringst. Bei mir ist es in der Hauptsache die Fülle, die mich blockiert, sowohl an vorhandenen Anleitungen als auch an in Kopf existierenden Pläne von noch zu nähen wollenden Projekten. Das alles ist ja niemals zu schaffen! Mittlerweile hilft es mir, die in lose-Blatt-Sammlungen vorhandenen Anleitungen ganz kritisch auszusortieren. Da sich in den Jahren der Geschmack auch ändert fällt das gar nicht so schwer. Reduzieren ist es, was mir Kraft gibt begonnenes zu beenden und nur Dinge anzufangen, die mir wirklich sehr am Herzen liegen.
    Vielen Dank für diese sehr hilfreichen Tipps.
    LG eSTe

    • Liebe eSTe,
      vielen Dank für deinen Kommentar und das Lob für meinen Artikel. Darüber freue ich mich sehr. Danke, dass du von deinen eigenen Erfahrungen berichtest. Regelmäßiges Ausmisten und Reduzieren tut mir auch gut. Das ist total wichtig. Es ist wirklich eine Kunst und die Herausforderung unserer Zeit, sich nicht ständig zu verzetteln, bei all den Möglichkeiten, die wir haben. Deinen letztem Satz kann ich auch nur beipflichten.
      Liebe Grüße
      Katharina

  5. Liebe Katharina ,
    Mit Begeisterung habe ich deine beiden Artikel gelesen und finde sie sehr aufschlussreich. Mein Problem habe ich hier jedoch nicht gefunden.
    Wenn ich ein neues Projekt anfangen möchte,steht da neuerdings der Nutzen im Raum. Was mache ich mit der 6. Decke, Kissen brauche ich auch keine mehr, Taschen für alle mögliche Verwendungen habe ich auch schon. Und um die schönen Dinge einfach so zu verschenken, klebe ich der Regel zu sehr an meinen geliebten Werken.Ja, es werden auch schon mal Freunde oder Familienmitglieder beschenkt, aber nur mit Kleinigkeiten.
    Über die Suche nach einem Projekt von Hand bin ich auf diese Seite mit den wunderbaren Verlinkungen gestoßen und habe mich nun für die flying hexies entschieden.
    Ein Plätzchen an einer Wand habe ich noch frei. Ich treffe nun alle Vorbereitungen für einen 4wöchigen Urlaub in einem Ferienhaus.
    Aber danach soll es wieder an die Nähmaschine gehen.
    Was mache ich denn dannmit den schönen Werken?

    Ganz liebe Grüße Claudia

    • Liebe Claudia,

      ich kann dich so gut verstehen! Die Frage nach dem Nutzen hängt für mich mit der Verschwendung von Ressourcen zusammen, die ich in Teil 1 erwähnt habe. Im ersten Blogartikel habe ich erzählt, dass es für mich kaum etwas Schlimmeres gibt, als für die Tonne zu nähen, und dass mich das oft hemmt. Ich bringe es nicht fertig, etwas zu nähen, das ich nicht brauche. Und man braucht nun mal keine 5 Stiftemäppchen.

      Alles, was wir erschaffen, bringen wir in die Welt und landet irgendwann unweigerlich auf dem großen, weltweiten Müllberg. Das muss man sich ehrlich klar machen, wenn man massenweise im Überfluss Zeug produziert. Auch die vielen Stiftemäppchen, Kosmetiktäschchen und Einkaufsbeutel, die wir mit so großer Begeisterung und Liebe nähen, sind in der Zukunft Müll. Das ist für mich ein großes Dilemma.

      Der Ausweg besteht für mich in bedarfsorientiertem Nähen, in aufwendig und liebevoll genähten Einzelstücken statt schneller Massenware, in Stoffresteverwertung und Patchwork.

      Ich konnte mich früher auch schlecht von Selbstgenähtem trennen. Das geht mittlerweile deutlich besser. Aber auch bei Geschenken versuche ich passgenau zu nähen, was gebraucht wird oder nützlich ist. Ich führe Buch darüber, was ich wem schon geschenkt habe, damit keiner das x-te Stiftemäppchen oder Schlüsselband „aufgehalst“ bekommt. Meine Familie und Freunde sollen nicht dafür herhalten müssen, dass ich mein Nähhobby fröhlich ausüben kann.

      Dann gibt’s natürlich noch die Möglichkeit, Genähtes zu verkaufen. Das habe ich vor vielen Jahren auf DaWanda ausprobiert. Hat mich aber überhaupt nicht glücklich und zufrieden gemacht.

      Ich hoffe, du findest für dich eine gute Lösung.

      Ganz liebe Grüße
      Katharina

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