Gib Etsy eine Chance! Wie du uns DaWanda-Leute unterstützen kannst

Da hat uns DaWanda ein ganz schönes Ei gelegt! Aus heiterem Himmel hieß es vor fünf Wochen: Tut uns leid, Freunde, Ende August schließen wir unseren Marktplatz.

Bäämmm! Für uns Verkäufer heißt das in der Konsequenz, wir werden in Kürze unsere Shops verlieren. Alles, was wir uns über Jahre aufgebaut haben – Stammkunden, geherzte Produkte, Verkaufsstatistiken, tolle Bewertungen – futsch!

Aua! Das tut weh. Bei Facebook schießen die Selbsthilfe- und Diskussionsgruppen seitdem wie Pilze aus dem Boden. Was sollen wir machen? Wo sollen wir hingehen? Welche Plattform ist abmahnsicher? Was raten die IT-Kanzleien? Währenddessen wittern Etsy, Palundu, products with love, dohero, und wie sie alle heißen, ihre Chance und umwerben uns DaWanda-Verkäufer.

Es tut sich viel auf dem Handmade-Markt

Auch kleinere Plattformen wollen im großen Handmade-Geschäft mitmischen und trauen sich zu, ein Projekt zu stemmen, das am Ende selbst für DaWanda zu groß war. Ob das mal gutgehen kann? Wenn sogar DaWanda mit großen, technologischen Problemen zu kämpfen hatte, wie die Gründerin Claudia Helming in diesem Spiegel-Interview erzählt, wie will das dann ein kleiner Ein-Mann-Betrieb besser machen? Ich bin da sehr skeptisch. Aber ich hoffe natürlich das Beste und wünsche jedem Start-up viel Erfolg.

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Leider bald weg vom Fenster: Mein DaWanda-Shop. Screenshot vom 08.08.2018

Dass DaWanda eine Vereinbarung mit Etsy getroffen hat und uns diese Lösung auf dem Silbertablett serviert, hat vielen Verkäufern überhaupt nicht geschmeckt. So mancher fühlt sich verraten und verkauft und weigert sich standhaft, das Import-Tool zu nutzen und seine Artikel zu einem Etsy-Shop umzuziehen. Ganz oft habe ich in Facebookgruppen gelesen: „Ich mag Etsy nicht.“ „Etsy ist unübersichtlich.“ „Etsy ist zu groß. Da findet mich niemand.“ „Bei Etsy wirst du doch sofort abgemahnt.“

Keine Liebe auf den ersten Blick

Ja, ich gebe zu: Etsy und ich – das ist auch keine Liebe auf den ersten Blick. Aber ich habe beschlossen, mich zu öffnen und Etsy eine Chance zu geben. Und ich habe jetzt schon das Gefühl: Das war eine gute Entscheidung! Meine Begeisterung für Etsy wächst von Tag zu Tag. Vieles ist deutlich benutzerfreundlicher und praktischer als bei DaWanda. Es gibt eine Menge Vorteile und positive Aspekte zu entdecken.

Toll finde ich zum Beispiel, dass meine Kunden E-Books direkt nach dem Kauf über einen Downloadlink herunterladen können. Das läuft nicht mehr über einen Drittanbieter, sondern direkt über Etsy. Ich habe mit dem Geldfluss nichts mehr am Hut. Auch das ist eine große Erleichterung, weil ich jetzt nicht mehr so oft mein Bankkonto auf Vorkasse überprüfen muss. Das Einstellen eines Artikels geht viel schneller, und tatsächlich hängt die Seite deutlich weniger (bzw. gar nicht) als DaWanda bei Stoßzeiten.

Vorteil für Kunden aus Österreich & Schweiz

Ein riesengroßer Pluspunkt ist, dass ich jetzt auch an Kunden aus anderen EU-Ländern verkaufen kann, weil Etsy die Abfuhr der Umsatzsteuer übernimmt. Wie oft habe ich bei DaWanda Anfragen aus Österreich und der Schweiz bekommen. Diese Leute musste ich immer zu Makerist schicken, weil ich wegen der Umsatzsteuer nur innerhalb Deutschlands verkaufen konnte. Das Problem ist jetzt aus der Welt. Etsy berechnet automatisch für jeden Kunden die Umsatzsteuer und schlägt das auf meinen Preis drauf. Beim Preis, der für ein E-Book angezeigt wird, ist also immer schon die Mehrwertsteuer des jeweiligen Landes enthalten, von dem der potenzielle Kunde zugreift. Die Mehrwertsteuer wird von Etsy eingenommen und direkt an die jeweiligen Länder weitergereicht.

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Auf zu neuen Ufern! Mein Etsy-Shop. Screenshot vom 08.08.2018

Für mich als Verkäuferin von digitalen Produkten bietet Etsy viele Vorteile. Bleibt natürlich noch die bange Frage, ob mir meine Kunden zu Etsy auch folgen werden. Ich wünsche es mir natürlich und möchte an dieser Stelle auch einen Appell rausschicken: Bitte unterstützt uns ehemaligen DaWanda-Leute auf Etsy! Zähneknirschend mussten wir uns von DaWanda verabschieden. Wir werden es nicht leicht haben, uns auf dem großen, globalen Marktplatz Etsy zu behaupten. Viele berufliche Existenzen hängen aber davon ab, dass der Wechsel und Neuanfang gelingt.

Wie du uns DaWanda-Verkäufer unterstützen kannst:

Geh in deinem DaWanda-Account durch die Liste deiner Lieblingsshops und schau, wer zu Etsy umgezogen ist. Du erkennst das am Button „Dieser Shop bei Etsy“. Wenn du den Button anklickst, wirst du zu Etsy weitergeleitet. Schenke diesem Shop ein Herz und nimm ihn in deine Favoriten-Liste auf. So vergisst du diesen Shop nicht und erhältst immer Nachrichten, wenn es etwas Neues gibt. Genauso könntest du schauen, bei welchen Shops du in der Vergangenheit eingekauft hast und ob auch von denen welche zu Etsy umgezogen sind. Speichere dir die Webadressen von den DaWanda-Verkäufern, die einen eigenen Online-Shop haben oder sich für eine andere Verkaufsplattform entschieden haben. Die meisten verkünden in ihrer Shopbeschreibung, wo es sie hinverschlägt.

Handmade ist unsere Leidenschaft. Egal, wo wir unsere selbstgemachten Artikel, unsere Anleitungen und Materialien verkaufen! Wenn wir uns gegenseitig helfen und wie gehabt beieinander einkaufen, können wir den Abschied von DaWanda und den Verlust unseres Shops besser verkraften. Es wäre wirklich toll, wenn du uns dabei unterstützt.

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8 Kommentare

  1. Vielen Dank für diesen Artikel! Ich bin seit Jahren Kundin bei Dawanda und habe dort gerne nach den unterschiedlichsten schönen Kostbarkeiten oder nach Material gestöbert (und bin eigentlich immer fündig geworden…). Erst Anfang des Jahres habe ich zum ersten mal bei Etsy eingekauft, da eine Anbieterin von deutschsprachigen ProjektLife Scrapbook-Kits nur dort verkaufte und nicht bei Dawanda. Einige Wochen nachdem ich vom Ende von Dawanda gehört habe, habe ich genau das gemacht, was du empfiels und meine Lieblingsshops nun auch bei Etsy mit Herzen versehen. Zum Glück sind viele von ihnen umgezogen, sodass ich weiterhin bei ihnen einkaufen kann. Gefühlt ist mir Etsy noch etwas zu groß, aber ich denke, dass ist einfach eine Gewöhnungssache. Ich wünsche euch Shopbetreibern, dass sich der Umsatzeinbruch in Grenzen hält und ihr viele neue Kunden durch Etsy erhaltet. Ich freue mich jedenfalls weiterhin individuelle, liebevoll gewerkelte Dinge kaufen zu können. Vielen Dank für eure Kreativität und euer Herzblut! Viele Grüße von TanjaK.

    • Ich danke dir für deinen Kommentar, liebe Tanja! Was du schreibst, macht mir und sicherlich auch vielen anderen Handmade-Verkäufern Mut. Etsy ist natürlich viel größer und internationaler als DaWanda. Da muss man sich erst mal dran gewöhnen. Das geht mir genauso. Ich war selbst auch jahrelang begeisterte Käuferin bei DaWanda. Ich denk aber, wenn DaWanda in ein paar Wochen offline geht und es dann erst mal nur Etsy als große, etablierte Plattform gibt, werden sich die Leute schnell dran gewöhnen. Mit großem Interesse verfolge ich auch, wie sich andere Plattformen entwickeln. Einige scheinen ja große Ambitionen und auch Potenzial zu haben. Das bleibt alles sehr spannend. Danke jedenfalls, dass du deinen Lieblingsshops die Treue hältst und uns kleinen Unternehmen unterstützt! Herzliche Grüße, Katharina

  2. Vielen Dank für Deinen Post, ich werde das beherzigen und bei Dawanda mal die Shops durchschauen, bei denen ich gerne gekauft habe. Ich mochte Dawanda sehr und habe dort gerne gestöbert, nach Ideen geschaut und geshoppt. Letztes Jahr habe ich erstmals bei Etsy gekauft, eine Tasse aus UK, in die ich mich verliebt hatte (leider etwas klein, dabei dachte ich, ich könne Englisch ;-), habt jetzt erstmal die Sprache umgestellt). Das lief alles reibungslos und gut. Ich werde Euch Verkäufern also zu Etsy folgen, und grundsätzlich mag ich auch bei Stoff, EBooks etc. das „Regionalprinzip“ und werde eher bei deutschen Shops zuschlagen. Viel Erfolg bei Etsy! LG, Carola

    • Das finde ich toll, dass du uns zu Etsy folgst. Vom Regionalprinzip halte ich auch sehr viel. Mir geht’s wie dir: Ich war auch eine sehr treue DaWanda-Käuferin. So oft habe ich dort Stoffschätze gefunden und gerne auch mal kleinere Mengen bestellt, weil die Portokosten dementsprechend angepasst waren. Als Käuferin werde ich DaWanda definitiv sehr vermissen – vermutlich mehr denn als VER-Käuferin. Danke für deine guten Wünsche und deine Unterstützung! Herzliche Grüße, Katharina

  3. Bei mir als Käuferin ist es zum Beispiel andersrum. Ich bin mit Dawanda nie warm geworden und hab immer geschaut, ob ich auf Etsy eine Alternative finde. Insofern finde ich es gar nicht so schlecht, dass Etsy anbietet die Shops von Dawanda zu übernehmen- hab sogar schon bei einem ehemaligen Dawanda Shop eingekauft, hätte ich sonst wahrscheinlich nicht gemacht.

  4. Danke für deinen sehr gut geschriebenen Blogpost. Ich kann mich deiner Argumentation voll anschließen, und durch Nadras Anleitungen war ich ohnehin schon bei etsy unterwegs, bevor das „Aus“ von DaWanda kam. Ich mag und mochte etsy vorher schon, und ich hoffe sehr, dass viele DaWanda-Verkäufer diesen Schritt gehen und somit mehr regionaler Einkauf bei etsy möglich wird. Ich finde, als Kunde kann ich bereits heute schon ganz gut filtern, welche Angebote ich angezeigt bekommen möchte, so dass ich meinem „buy local“-Prinzip bestimmt treu bleiben kann.
    Ich wünsche dir viel Erfolg bei etsy. Dein neuer Blog gefällt mir übrigens sehr! Der Umzug hat sich gelohnt.

    Ganz liebe Grüße!

    • Vielen Dank, liebe Arlette! Ich freue mich sehr über dein Kompliment zu meinem Blog und finde es toll, eine Stimme pro Etsy zu hören. Du hast recht: Für deutsche Etsy-Kunden wäre es ein großer Gewinn, wenn es auch mehr Shops mit Sitz in Deutschland gäbe. „buy local“ ist mir auch sehr wichtig. Ich bin gespannt, wie sich alles weiterentwickeln wird. Liebe Grüße, Katharina

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