Dieses Jahr wollte ich unbedingt mal wieder zur Nadelwelt. Das letzte Mal ist ja schon ewig her. Das war 2019, vor Corona! Früh morgens bin ich mit dem Zug nach Karlsruhe gefahren und habe mich den ganzen Tag auf der großen Handarbeitsmesse herumgetrieben. Ich habe liebe Menschen getroffen, mich sehr gut unterhalten, viel Inspiration gesammelt und natürlich auch ein bisschen geshoppt. 😉
Meinen Bericht habe ich diesmal in zwei Blogposts aufgeteilt. In Teil 1 geht’s um die Textilausstellungen auf der Nadelwelt, die eine Attraktion für sich sind. Besonders auf die Quiltausstellung „Stopp Gewalt gegen Frauen“ war ich sehr gespannt. Im nächsten Blogpost (Teil 2) werde ich dann etwas zum Shopping auf der Nadelwelt erzählen.

Die Nadelwelt möchte nicht nur Einkaufsmesse sein, sondern auch ein Ort der Inspiration, des Austauschs und Lernens. Neben Vorträgen, Workshops und Kursen, die von Expertinnen durchgeführt werden und für die man sich lange vorher anmelden muss, gibt’s auch einen großen Ausstellungsbereich.
41 nationale und internationale Textilkunstschaffende und Quiltgruppen haben auf der Nadelwelt 2026 ihre kreativen Arbeiten präsentiert. Dahinter steckt die Idee, den aktuellen Stand der Textilkunst zu zeigen und dabei die große Vielfalt an Techniken, Materialien und Themen abzubilden.
Von Traditionell bis Modern
Gerade die Mischung gefällt mir dabei immer sehr. Man kann viele traditionelle Quilts bewundern, bei denen ich nur mit den Ohren schlackern und in Ehrfurcht erstarren kann, so meisterhaft sind sie. Quasi die Rembrandts der Textilkunst. 😀
Aber man findet auch viel Modernes. Das begeistert und inspiriert mich oft noch viel mehr. Ich mag Kunstwerke, die Techniken und Materialien kombinieren und mutig mit Farben und Formen spielen. Besonders spannend finde ich Kunst, die sich mit gesellschaftlichen Themen auseinandersetzt, so wie das aktuelle Projekt der Rhein Modern Quilt Guild.

Ausstellung „Stopp Gewalt gegen Frauen“ der Rhein MQG
Stopp Gewalt gegen Frauen – Ausstellung der Rhein MQG
Die Mitglieder der Rhein MQG haben sich kein leichtes Thema ausgesucht: Gewalt gegen Frauen. Im ausstellungsbegleitenden Text stand, dass in der Gruppe zunächst Zweifel gehegt wurden, ob ein so „hässliches Thema“ mit etwas so Schönem wie einem Quilt zusammengehen kann. Wie gut, dass viele Gildemitglieder die Herausforderung angenommen haben, denn das Ergebnis ist beeindruckend!
Orange the World!
Inspiriert wurde die Rhein MQG von der UN-Kampagne Orange the World, die seit 1991 auf Gewalt gegen Frauen und Mädchen aufmerksam macht. Die Mitglieder waren frei in der Interpretation des Themas. Es gab nur zwei Vorgaben: Die Signalfarbe Orange sollte eine prominente Rolle spielen, und der fertige Quilt sollte 30 x 30 Inch groß sein.

Let’s Orange the world! / Hilfezeichen
Links: „Let’s Orange the world“ von Henrike Strohbücker (@millymeiers). Bildunterschrift: „Mein Quilt besteht aus 361 Quadraten. 360 für jede Frau, die im Jahr 2023 durch einen Femizid ihr Leben verlor und 1 schwarzes Quadrat für die Dunkelziffer, wo der Femizid nicht belegt werden konnte.“
Rechts: „Hilfezeichen“ von Sandra Hilpisch (@pegafrau). Bildunterschrift: „Mir war schnell klar, dass ich gerne das internationale Hilfezeichen darstellen wollte. Jeder sollte dieses Zeichen kennen! Bist du in Gefahr, signalisiere mit diesem Handzeichen deinem Gegenüber, dass du Hilfe benötigst – ohne zu sprechen.“

Schuld / Friedrich M. – ein gescheiterter Dialog
Links: „Schuld“ von Karin Rische (@blaukatinka). Bildunterschrift: „Mein Quilt ‚Schuld‘ zeigt diese Gegensätze: die Gedanken des Opfers und des Täters jeweils auf der Vorderseite und Rückseite. Die Anordnung macht deutlich, wie unterschiedlich Schuld interpretiert wird.“
Rechts: „Friedrich M. – ein gescheiterter Dialog“ von Dorothea Ilse (@henrysquilts). Der Quilt ist Teil eines Triptychons, das sich künstlerisch mit einer Aussage des aktuellen Bundeskanzlers auseinandersetzt. Ausgestellt war der dritte Quilt mit dem Titel: LÖSUNG – „Erzieht eure Söhne!“

Hinter den Fassaden
Bild oben: „Hinter den Fassaden“ von Susanne Gülzau. Bildunterschrift: „Häusliche Gewalt findet oft im Verborgenen statt, scheinbar unsichtbar für das Umfeld. Mit meinem Quilt möchte ich dieses Thema aufgreifen.“

Ausstellung „Stopp Gewalt gegen Frauen“ der Rhein MQG
Ich fand’s sehr interessant, von welchen Seiten sich die Künstlerinnen dem Thema genähert haben und wie viel Herz und kluge Gedanken in jedem Werk stecken. Von diesem Gemeinschaftsprojekt geht für mich ganz viel Kraft, Solidarität und weibliche Ermächtigung aus. Das fand ich wirklich berührend, und deshalb wollte ich unbedingt darüber berichten.
Auf der Webseite der Rhein MQG kannst du alle 48 Kunstwerke sehen und ausführliche Erklärungen der Künstlerinnen lesen: ➜ Online-Ausstellung: Stopp! Gewalt gegen Frauen
Geteilt und genäht – Ausstellung der Challenge Quilters
Einen anderen Ansatz haben die Challenge Quilters gewählt. Thematisch und stilistisch völlig frei haben sich die 10 befreundeten Quilterinnen ein Stoffpaket geteilt. Wobei es eine Überraschung war, wer welche Farben in welcher Menge von der Projektleitung zugeteilt bekam. „Das war gar nicht so einfach, eine Idee zu entwickeln, wenn das so gar nicht deine Farbkombi war“, hat mir Andrea Kollath, meine liebe Kollegin von 6 Köpfe – 12 Blöcke, verraten. 😀

Ausstellung „Geteilt und genäht“ der Challenge Quilters
Zehn Frauen, zehn Stoffe, zehn Quilts
Als Betrachterin fand ich es absolut erstaunlich, wie harmonisch diese 10 Quilts zusammenpassten. Dass die Challenge Quilters insgesamt nur 10 verschiedene Stoffe verwendeten, konnte ich gar nicht glauben, so anders wirkte jeder einzelne Quilt auf mich. Und doch war in der Gesamtschau ein starker, roter Faden erkennbar. Die einheitliche, reduzierte Stoffauswahl hat diese Quilts miteinander verbunden und optisch zusammengehalten. Sehr faszinierend! Jedes für sich ein Einzelstück, zusammen eine starke Einheit. Wie im echten Leben halt! 😉

„Tris di Quilt“ von Melanie Steinadler (@rosenmontagskind) und „Crazy Submarine“ von Sandra Lindner (@hohenbrunnerquilterin2.0)

„Fortuitous Orbits“ von Andrea Noll (@quiltingandy) und „kgN + Chambray“ von Bettina Hötzel-Nowak (@bettina_creativ)
Mehr Fotos habe ich nicht gemacht. Teilweise waren die Lichtverhältnisse nicht gut oder es standen in dem Augenblick Grüppchen vor den Werken. Aber ich denke, ich konnte dir einen Eindruck von den wunderbaren Textilausstellungen auf der Nadelwelt geben. Und das waren ja jetzt nur zwei Beispiele von insgesamt 41 Ausstellungen!
Vielleicht hast du ja Lust, dir nächstes Jahr selbst ein Bild zu machen. Vom 7. bis 9. Mai 2027 hättest du die Gelegenheit dazu. Da findet die nächste Nadelwelt in Karlsruhe statt. Ich glaub, ich werd‘ auch wieder hinfahren. 😉
Berichte über meine früheren Besuche auf der Nadelwelt:
- So war’s auf der Nadelwelt in Karlsruhe 2016
- Auf der Nadelwelt in Karlsruhe 2017
- 2019 habe ich die Nadelwelt auch besucht, aber leider keinen Blogpost dazu geschrieben. Nur ein Foto von meinem Einkauf habe ich noch auf meiner Festplatte gefunden. Schau mal hier:

Nadelwelt 2019
Beim nächsten Mal zeige ich dir dann meine Shopping-Ausbeute von der Nadelwelt 2026. 😉
